Gedanken

Gedanken

Ankommen...

...wieder volle Parkplätze. Klar, die Tänzerinnen und Tänzer, ihre Eltern und begeisterte Familienmitglieder sind schon da und das meist seit einigen Stunden. Die Turnierleitung und Wertungsrichter haben abgesperrte Parkplätze direkt vor der Halle. Oh wie sehr wünscht man sich in solch einem Augenblick auch ein kleines "Extra" abgesperrt zu haben. Da dem nicht so ist muss wieder der letzte, weil hinterste Parkplatz in einer kleinen Seitenstrasse reichen. Tut er auch. Vor dem Turnier alles keine Sache, frohen Mutes mit schnellem Schritt, denn es ist wieder später als geplant.

Kassenschlange...

...gibt es auch. Anstellen und schon mal das Geld parat suchen. In der Halle reges Treiben und die Musik steigert die Vorfreude. Bezahlen - Stempel immer auf die rechte Hand! Weiter im Tippelschritt, denn an Brühwurst, Käsebrötchen, Salaten und Kuchen, in den Händen der vielen Zuschauer, hilft nur das vorsichtige augenradargesteuerte Gehen - einmal Kartoffelsalat auf der Hose hat gereicht.

Hallenlicht...

...strömt durch die Tür, mal wild und hell - das Herz macht einen Freudensprung: "Heute fotografierst du aber mit ganz kurzen Belichtungszeiten!" - manchmal aber auch gelbliche Schummerbeleuchtung - "Na da mach dich mal auf das Nachbearbeiten gefasst!"

In der Halle...

...endlich! Kurz den Blick streifen lassen. Wo ist die Mitte der Tanzfläche? Gefunden und mit ihr, einen Platz genau gegenüber. Langsamen aber zielsicheren Schrittes gehst du los. Vorsicht ist geboten denn überall huschen Füße, die für den Tanz geschaffen wurden barfuß vorbei!

Der Platz...

...ist fast erreicht, da sprintet förmlich eine ältere Dame heran und wirft ihre Jacke auf den leeren Platz und setzt sich auf den daneben. Du suchst dein charmantestes Lächeln heraus: "Ist dieser Platz zufällig noch frei?"

"Da kommt mein Mann hin!"

Nun gut, es wird sich schon etwas finden. Spätestens wenn dann der Ehemann kommt und ansagt, dass man doch von oben viel besser sehen könne. Also kurz - es findet sich immer was, zur Not sitzt man auf dem Hallenboden, was für gute Fotos nicht immer die schlechteste Lösung ist.

Rundblick...

...durch die Halle. Du kennst fast alle Tänzerinnen und Tänzer, kennst ihre Gesichter, ihre Künste und Bewegungsabläufe. Du weisst bei einigen sofort, dass sie vor dem Sprung kurz die Augen schließen und bei Pirouetten immer einen tiefliegenden Raumpunkt fixieren. Du kennst genau die Art, wie sie den Handstand ansetzen, das Bein strecken, ihr Spagat vollbringen, andere Tänzerinnen in den Hallenhimmel heben. Du siehst ihre Verletzungen, sicher geschützt und bedauerst es, dass es noch nicht besser geworden ist. Du siehst die Frisuren der Saison und überlegst, ob es im letzten Jahr besser ausgesehen hat. Kurzum - viele, viele bekannte Gesichter. Du nickst mal hier hin, hebst leicht die Hand zum Gruß. Es nickt keiner zurück, also Hand wieder einziehen. Du schickst ein Lächeln zu der Tänzerin, die du schon hunderte Male fotografiert hast, sie lächelt leider nicht zurück, denn du bist unbekannt, dein Gesicht ist unbekannt. Also beobachtest du und erfreust dich an dem was du siehst und da kommt ja schon der Turnierleiter.

Turnier...

...ist eine schnelle Abfolge von "Lichtmomenten", auf der Tanzfläche - du versuchst sie einzufangen, festzuhalten und für die Ewigkeit in das rechte Licht zu setzen. Manchmal gelingt es dir, den idealen Zeitpunkt abzupassen, Kameras mit Serienbildfunktion eignen sich dafür besonders gut. Doch letztendlich wirst du erst zu Hause am Computer erfahren, wie gut du warst, weil es muß schnell gehen, denn diese besonderen Momente reihen sich aneinander und vergehen im Sekundentakt.

Pausen...

..sind immer ein willkommender Verschnaufer. Aber zurnächst wieder der Weg vorbei an Salaten, Bockwurst, Brötchen und Kuchen. Eine Zigarette rauchen, ja ich stehe dazu, und dann zurück in die Halle, vorbei an fröhlich kauenden Menschen. Dein Platz ist noch frei - hurra, naja kauen ja auch gerade fast alle. Du holst die Kamera heraus und schaust die Fotos der Vorrunde durch. Da, eine Tänzerin läuft direkt auf dich zu und innerlich freust du dich auf ein kleines Gespräch oder nur ein hallo, aber kurz vorher biegt sie in die Umkleidekabinen ab. Weiter die Fotos sichten.

Finale...

...oder auch manchmal eine Zwischenrunde. Es geht weiter. Diesmal hockst du dich bewußt auf den Boden, andere Perspektive, andere Fotos. Auch diese Zeit vergeht wie im Flug. Letzte offene Wertung und vorbei ist es wieder. Wie gern würdest du jetzt ein Foto von allen Formationen machen - doch schon so oft probiert - es gelingt einfach nicht. Einige Tänzerinnen fehlen in der Formation, ziehen sich schon um, andere Formationen werden von Eltern und Bekannten fotografiert, da sind die Augen überall, aber nicht bei deiner Kamera. Das gleichst du mit dem besten Bildprogramm nicht aus. Also lass ich es meist, es sei denn eine Formation fragt danach. Ich packe mein Täschchen und gehe langsam zum Ausgang. Zum ersten Mal an diesem Tag, kein Kuchen, kein Salat, keine Bockwurst und kein Käsebrötchen zwischen mir und dem Ausgang.

Daheim...

...die Fotos in den Rechner laden. Was? Schon wieder so viele geworden? Dann der grosse Moment. Das erste Foto erscheint auf dem Bildschirm. Beschneiden, Farben aufbessern, Schärfe nachsetzen, Feineinstellungen bearbeiten und in den Ordner des Turniers abspeichern. Du weißt es wird Stunden dauern, aber es ist gerade das, worüber du dich freust. Du bist noch einmal beim Turnier. Nicht als der "Einäugige", den man ohne Kamera nicht erkennt, der Beobachter mit Teleobjektiv und Kamera vor dem Gesicht. Diesmal bist du der Zuschauer, ein Turnier nur für dich. Die Momente des Tages, alle vor dir. Und die Gesichter die du kennst lächeln manchmal in deine Richtung, scheinen dir ein "Hallo" zuzurufen. Sie nicken dir zu und selbst beim höchsten Sprung erkennst du, dass sie zu dir herüber blicken.

Einsamkeit...

...kennst du nicht. Du sitzt mittendrin im Geschehen und um dich herum geschieht Kunst. Die Kunst des Tanzes. Dir werden Geschichten ohne Worte erzählt. Du darfst teilnehmen am Geschehen, erlebst Situationen und Gefühlsmomente. Du siehst genau, wenn ein Sprung nicht richtig endet und ein leichter Schmerzensblick über das Gesicht der Tänzerin huscht. Für die Momente des Tanzes bist du Teil in diesem Leben.

Ende...

...der Fotoserie. Du schaust noch einmal alle ausgewählten Fotos durch, dann auf die Homepage damit, denn die Tänzerinnen und Tänzer haben ein Recht darauf, ihre Leistungen jetzt selbst zu begutachten. Ein Blick auf die Uhr - schon wieder kurz vor eins - jetzt ist auch genug und der Schlaf ruft ganz deutlich. Zudem, Schlaf muss sein, denn morgen ist das nächste Turnier!

Wieder...

...wird kein Gespräch dein Gespräch sein, kein Blick direkt dir gelten, kein "Hallo" für dich bestimmt sein,
aber es macht einen RIESIGEN SPASS!

Danke an alle Tänzerinnen und Tänzer!!!